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Erstellt: 29. Oktober 2024 Aktualisiert: 12. Mai 2026

Borreliose – Eine unterschätzte Krankheit

Paracelsus Ratgeber 3 Minuten

Borreliose – eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit

Zecken können beim Blutsaugen verschiedene Krankheitserreger auf den Menschen übertragen. In Mitteleuropa sind dabei vor allem zwei Erkrankungen medizinisch bedeutsam: die durch Viren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie die bakterielle Lyme-Borreliose, ausgelöst durch Borrelien (Bakterien des Borrelia-burgdorferi-sensu-lato-Komplexes). 

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene bakterielle Infektion in Europa und Nordamerika. Sie kommt in vielen Regionen der Nordhalbkugel vor, insbesondere in wald- und grünlandreichen Gebieten. 

Übertragung und Ansteckung

Die Erreger werden in der Regel durch den Stich infizierter Zecken übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet nach aktuellem Kenntnisstand nicht statt. Seltene Übertragungen über Blutprodukte wurden beschrieben, sind aber extrem ungewöhnlich. 

Andere Insekten wie Mücken oder Fliegen spielen nach heutigem wissenschaftlichem Stand keine gesicherte Rolle als Überträger. 

Frühe Symptome

Ein typisches frühes Zeichen einer Infektion ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans): eine sich ringförmig ausbreitende Hautrötung um die Stichstelle. 

Weitere mögliche frühe Symptome sind: 

  • Müdigkeit 

  • Fieber 

  • Kopf- und Gliederschmerzen 

  • allgemeines Krankheitsgefühl 

Diese Beschwerden sind unspezifisch und können leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden. 

Verlauf der Erkrankung

Wird die Infektion nicht erkannt oder behandelt, kann sie sich in seltenen Fällen auf weitere Organsysteme ausbreiten. Mögliche Manifestationen sind: 

  • Gelenkbeschwerden (Lyme-Arthritis) 

  • Nervenentzündungen (Neuroborreliose) 

  • seltener Herzbeteiligung (z. B. Reizleitungsstörungen) 

Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Ein großer Teil der Infektionen wird frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt. 

Diagnose

Die Diagnose basiert vor allem auf: 

  • klinischen Symptomen (insbesondere Wanderröte) 

  • möglichem Zeckenkontakt 

  • ergänzend Laboruntersuchungen (Antikörpertests) 

Labortests müssen immer im Zusammenhang mit der klinischen Situation bewertet werden, da sie weder eine frische noch eine ausgeheilte Infektion allein sicher beweisen können. 

Behandlung

Die Lyme-Borreliose ist in den meisten Fällen gut mit Antibiotika behandelbar. Die Therapie richtet sich nach Stadium und Organbeteiligung und dauert in der Regel wenige Tage bis Wochen. 

Ein routinemäßiger Einsatz langfristiger Antibiotikatherapien wird in medizinischen Leitlinien nicht empfohlen, da kein zusätzlicher Nutzen belegt ist und Nebenwirkungen auftreten können. 

Spätbeschwerden und „chronische Borreliose“

Ein Teil der Patienten berichtet nach einer durchgemachten und behandelten Infektion über anhaltende Beschwerden wie Müdigkeit, Schmerzen oder Konzentrationsprobleme. 

Diese werden in der Medizin als Post-Treatment Lyme Disease Syndrome (PTLDS) bezeichnet. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass in diesen Fällen regelmäßig eine aktive, unbehandelte Infektion vorliegt. 

Häufigkeit und Bedeutung

Die Lyme-Borreliose gehört zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Infektionen. Die geschätzte Zahl der jährlichen Neuerkrankungen variiert je nach Region, da keine vollständige Meldepflicht besteht. 

Frühe Diagnose und Behandlung sind entscheidend für einen günstigen Verlauf. 

Fazit

Die Lyme-Borreliose ist eine ernst zu nehmende, aber in den meisten Fällen gut behandelbare Infektionskrankheit. Wichtig sind frühe Erkennung, eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie und eine sachliche medizinische Bewertung möglicher Spätbeschwerden.